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Dominikanische Republik: Strandliebhaber sollten keinen Papageienfisch essen!

Bildschirmfoto 2018 03 30 um 9.04.45 PMSanto Domingo.- Karibikurlaub. Das verbindet man mit weißen Traumstränden, türkisfarbenem und kristallklaren Wasser. Man möchte schnorcheln, sich die Vielfalt an tropischen Fischen und Korallen ansehen, am feinsandigen Strand liegen und entspannen. Zum Strand gehört aber vor allem der Pez Loro, der Papageienfisch! Seit Jahrhunderten funktionierte die Natur, doch das Eingreifen des Menschen und Unfälle lassen die Umwelt kapitulieren.

Der Papageienfisch existierte in hoher Quantität an unseren Küsten, bereitete uns schöne Sandstrände, er rettete Korallen und ja, er schmeckt hervorragend. Es fand jedoch eine Überfischung statt, die Gewinnsucht stand jedem Umweltbewusstsein vor, der Fischbestand sank drastisch und die Korallenriffe sterben ab.

Richtig, hier hat der Mensch seine Hand im Spiel. Die Korallen werden von Algen besiedelt, diese lassen die Korallen ersticken. Der Papageienfisch, der seinen Namen wegen seines Mauls bekommen hat, welches dem Gebiss eines Papageien ähnelt, „knabberte“ die Algen von den Korallen ab, sicherte so den Bestand. Zudem verarbeitet er die toten Korallen und Algen mit seinen Exkrementen zu feinem Sand.

Neben dem Menschen sorgte ein Unfall für ein weiteres Problem. Der Lionfish, auch Feuerfisch genannt, ist ein prächtiges Tier. Majestätisch gleitet dieser Fisch durch die Riffe, man sieht ihm seine Gefräßigkeit nicht an. Das mehrfache seines Körpergewichtes kann dieser Raubfisch am Tag vertilgen, sein beliebtes Beuteopfer ist der Papageienfisch.

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Hinzu kommt, dass der Lionfish im Grunde nicht in die Karibik gehört, wie gesagt, es gibt verschiedene Theorien, wie er in karibische Gewässer und die Atlantikküste im Norden der Dominikanischen Republik gelangen konnte. Er hat demnach keine natürlichen Feinde und seine Stacheln, an deren Ende er ein Nervengift ausscheidet, macht ihn gefährlich. Fischer meiden ihn, obwohl dieser Fisch ebenfalls sehr schmackhaft ist und das Fangen dieser Spezies einen positiven Aufschlag für die Natur bedeuten würde!

Der Pez Loro, der pro Jahr rund 220 Libra Sand ausscheidet, muss sich demnach gleich zwei Raubtieren erwehren, ist chancenlos: Der gewinnsüchtige Mensch und der gefräßige Lionfish haben den Bestand so sehr reduziert, dass das Umweltministerium zu einer drastischen Maßnahme gegriffen hat. Statt einer kurzfristigen Schonzeit musste man gleich ein Fangverbot über Jahre aussprechen, um den Bestand wieder wachsen zu lassen. Die Gefräßigkeit des Feuerfisches kann man nicht beeinflussen, die Gewinnsucht der Fischer und Gastronomen ist offensichtlich auch niemand gewachsen.

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Kontrollen, sofern es welche gibt, verpuffen erfolglos, denn Fischer, Fischhändler und die Köche lassen sich die Einnahmequelle nicht nehmen. Im Gegenteil, das Fangverbot hat bewirkt, dass der Pez Loro zu einer teuren Delikatesse wird. Wie schon bei Langusten, Krebsen und Muscheln, Schonzeiten dienen nur der Gewinnoptimierung. Da gibt es Tourguides (private wie auch die Angestellten von renommierten Reiseveranstaltern), die ihren Kunden gern das VIP Paket verkaufen. Einen Ausflug mit leckerem Fisch, köstlichen Langusten, wohlschmeckenden Krebsen. Willkommen in der Dominikanischen Republik, wo jedes Gesetz wenigstens zwei oder gar mehrere Umgehungen kennt.

Was nutzt als ein zweijähriges Fangverbot für Doktorfische und Papageienfische? Oder gar das generelle Fangverbot von Haien? Die befristete Schonzeit von 5 Jahren für den schwarzen Seeigel? Nicht viel, ohne die notwendige Kontrolle.

Die Osterwoche steht besonders für den Verzehr von Fisch statt Fleisch, Darum hat das Umweltministerium auf Aufklärung gesetzt, mit dem Slogan „Wenn Du Strände liebst, isst Du keinen Papageienfisch“ wollte man einen Appell an das Volk richten. Doch wir kennen die Dominikaner! Was ist verboten? Ah! Dann erst recht, ist ja nun verwegen, verboten - mit anderen Worten: etwas Besonderes! Und „besonders“ will jeder sein.

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Dem internationalen Touristen kann man noch Unwissenheit unterstellen, doch auch diese sollte nicht vor Strafe schützen. Es gibt genug Aufklärung, diese wird allzugern ignoriert. Wenn man schon in der Karibik ist, dann isst man auch ne Languste, Schonzeit hin oder her. Papageienfisch ist lecker? Na dann, der eine Fisch wird den Bestand uach nicht retten!

Leider herrscht die Ignoranz auch bei vielen Tourguides! Da gilt ganz einfach: verwöhne den Touristen, biete etwas Außergewöhnliches! Exklusives! So macht man dann neben dem Verkauf teurer VIP - Ausflüge noch einen guten Tipp. Die Fischer haben früher (2016) für erstklassige Ware 142 RD$ / Libra Pez Loro bekommen, heute sind es mindestens 250 RD$. Der Betreiber einer Fritura, den Fischbratereien, verlangt ab 500 RD$ / Libra,

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Das Umweltministerium hat damit nur eine Gewinnoptimierung erreicht, zumindest bei den gewissenlosen Fischern. Die Zahl der umweltbewussten Fischer ist gering. Ein frisierter Fisch ist kaum noch zu erkennen, der bunte Pez Loro in frisierter Form, verliert sein farbenprächtiges Schuppenkleid. Allein sein Gebiss verrät ihn, doch dem zweifelnd fragenden Touristen sagt man dann auch gern: es ist Chillo, ebenfalls sein teurer Fisch. Manche sind ganz unverfroren, mit einem Lächeln, was ja so entwaffnend ist bei Dominikanern, erklären sie dem Verbraucher: No Problema! Da muss man nicht mal übersetzen.

Video https://www.youtube.com/watch?v=uYKv3FiCVdg (sehenswert, es zeigt einige Spezies des Pez Loro, den es in 90 verschiedenen Arten in den Weltmeeren (tropischen Gewässern) gibt.)