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Dominikanische Republik: Weihnachten, ein Fest für die Polizei

  • Kategorie: News

Bildschirmfoto 2018 12 27 um 11.23.55 AMZugegeben, die Angestellten bei der Polizei hatte mal einen Hungerlohn. Die Polizeireform, die vor allem die Gehälter deutlich angehoben hatte, sollte einige Missstände beseitigen. Zum Beispiel die extreme Korruption, die das Ansehen der Polizei beim Volk nahe Null hat sinken lassen. Mehr Lohn, weniger Amtsmissbrauch und Bettelei, weniger Abzocke?

Weit gefehlt, wie dieses Ereignis zeigt. Wann weihnachtet es in der Dominikanischen Republik? Schneefall und niedrige Temperaturen deuten nicht auf diese Zeit, doch gibt es andere Zeichen die auf die Feiertage schließen lassen. Der Dominikaner nennt es „Busca Vida“, wenn jemand die Hand aufhält und um Geld bittet. Vermehrte Polizeipräsenz auf der Straße - da kommt man schnell auf die Idee: Weihnachten steht vor der Tür (oder Ostern, da ist es gleich). Natürlich steigt die Kriminalität zu diesen Festtagen, jeder muss Geschenke kaufen für seine Familie, den Weihnachtsbraten organisieren. Nicht jeder kommt dabei auf die Idee, dass man mit Arbeit Geld verdienen kann. Einbrüche und Überfälle mehren sich.

Deshalb also mehr Polizei? Nein, sicher nicht. Dann würde die Polizei ja patrouillieren. Da stehen sie also, die Polizeiposten, an den Hauptstraßen mit dem hohen Verkehrsaufkommen. Kontrollen! Man muss aber nichts befürchten, denn wenn die Autoscheibe gesunken ist, zeigt sich ein freundliches Gesicht des Polizisten. Man wünscht Frohe Weihnachten, man sei nur besorgt um die Sicherheit des Bürgers, darum sei man ja das ganze Jahr für ihn da. Wer diesen „zarten Hinweis“ nicht verstanden hat, der wird dann direkter angesprochen. Man möge doch etwas Geld spenden!

Soweit die sanfte Form der „Freunde und Helfer“, doch ist man sehr flexibel und gerne zieht man auch die harte Masche durch, vom Volk zu Recht als Amtsmissbrauch empfunden. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Empfindung, es ist der traurige Alltag, zu Weihnachten in konzentrierter Form zu beobachten. Kommen wir zum Ereignis, welches sich in der Vorweihnachtszeit ereignete.

Der Park im Dorf ist festlich geschmückt und beleuchtet, am Wochenende ist hier richtig was los. Diese „dominikanische Lebensfreude“ wollte ich einer Touristin zeigen. Musik dröhnt aus jedem Lautsprecher, egal ob Colmado, Liquer Store oder einem Fahrzeug. Die gesamte musikalische Vielfalt in nur einem Moment, das hat man wohl nur in diesem Land. Nach einiger Zeit kam ein interessanter Kommentar der Urlauberin, welche das erste Mal die Dominikanische Republik besuchte. Ihre Bemerkung: „Dominikaner scheinen eine deutlich höhere Schmerzschwelle zu haben“. Ja, so kann man laute Musik auch interpretieren, für normale Ohren ist es tatsächlich schon schmerzhaft.

Doch zuvor musste man ja erst mal zum Park gelangen. Das ganze Abenteuer begann mit der Parkplatzsuche. Nicht einfach, aber etwas abseits fand sich ein Stellplatz. Es musste sehr genau geparkt werden, um eine Baulücke, welche durch eine Kette abgesperrt war, nicht zu blockieren. Man weiß ja nie, vielleicht kommt jemand und möchte auf dieses Grundstück fahren, also die Einfahrt sollte frei beliben.

Bildschirmfoto 2018 12 27 um 11.24.35 AMGehweg zugeparkt, Grundstückseinfahrt blockiert, ungeahndet. 

 

Zurück zum Park und dem geselligen Treiben. Eine kaum übersehbare Menschenmenge, noch mehr Fahrzeuge. Autos parkten selbst im Kreuzungsbereich, Zweiräder füllten jede Lücke und die Gehwege. Und dann kam der Gesetzeshüter mit dem Abschleppwagen. Binnen Sekunden hatte man einige Pasolas und Mopeds aufgeladen und schnell ging es wieder weg. Bevor die Eigentümer der Fahrzeuge es merken und rebellieren. Na ja, Recht und Ordnung muss aufrecht erhalten werden.

Wenige Minuten später traute ich meinen Augen nicht! Mein Wagen wurde aufgeladen! Schon kam ein gut gekleideter Dominikaner, wollte mich informieren. „Dein Wagen wird abgeschleppt!“, so sein Hinweis. Unglaublich, ich kannte den Mann nicht, doch er wusste sehr wohl dass dieser Wagen dem „Gringo“ gehörte. Da sieht man, wie Ausländer auffallen und beobachtet werden. Gemeinsam gingen wir zu den Dorfpolizisten (PM). Diese zeigten sich unbeeindruckt, der Hinweis auf korrektes Parken wurde ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass unweit mindestens ein Dutzend Motorräder in der Kreuzung parkte, wie auch auf dem Bürgersteig. Selbst einige Autos standen an den Gehwegen, die gelb markiert waren und so einen Halteverbotsbereich markieren. Das richtig parkierte Auto wurde abgeschleppt, derweil dutzende falsch geparkte Fahrzeuge lies man unbeachtet. 

Bildschirmfoto 2018 12 27 um 11.24.59 AM

da stehten sie, in der Kreuzung, am gelben Bordstein, im Halte/Parkverbot. Und da blieben sie stehen. 

Man fuhr davon, mit meinem Wagen. Der Dominikaner zeigte sich hilfsbereit, er sollte mein Weihnachtsengel werden! Bei der Polizei (PN) zeigte man sich unbeeindruckt, es sei nicht ihre Angelegenheit, diese Aktion wird von der PM (Policia Municipal) durchgeführt, nicht von der Nationalpolizei. Also weiter, zur anderen Polizeidienststelle. Hier war man auch nicht interessiert, die Fahrzeuge werden zu einem Parkplatz bei der Feuerwehr gebracht, hieß es dort. Endlich an der richtigen Stelle eingetroffen, war mein Auto bereits abgeladen. Ich war natürlich aufgebracht angesichts dieser Ungerechtigkeit, ging gleich auf den obersten der „Offiziellen“ los.

Ich hatte zuvor schnell Fotos gemacht, von falsch parkenden Fahrzeugen und der Stelle, wo ich geparkt hatte. Ich zeigte diese, aber der „Herrgott ohne Uniform“ ( an diesem Abend ) wollte nicht sehen und hören. Ich wurde direkter. Das ist doch Rassismus! Man schleppt das Fahrzeug eines Extranjeros ab, doch Dominikaner dürfen falsch parken! Wie wolle er das erklären? Ich hätte mit einem Esel reden können, der hätte nicht störrischer sein können. Dann griff der Dominikaner ein. Er sprach ebenfalls von ABUSO, Amtsmissbrauch. Erklärte, dass diese Manieren keinen guten Eindruck auf Ausländer machen und man hier sicher unrecht gehandelt habe. Es wurde noch mehr geredet, dann die Wendung.

Bildschirmfoto 2018 12 27 um 11.24.15 AM

hier parkierte ich. Keine gelbe Linie, kein Verbotsschild, keine Behinderung. Nur ein Gringo, der wird sich schon nicht wehren. 

OK, man entschuldigte sich gar bei mir, ich dürfe meinen Wagen mitnehmen. Aber (!!!) in Zukunft solle ich dort nicht mehr parken. Klingt irgendwie mehr als „dominikanisch“. Einerseits entschuldigte man sich, andererseits ist man natürlich nicht Schuld. Bevor ich nun meinen Wagen bestieg bedankte ich mich bei meinem Helfer. Ohne seine Intervention hätte ich in dieser Nacht meinen Wagen nicht wieder bekommen und zudem noch am kommenden Tag meine Strafe zahlen müssen. Dafür, dass man als einer von wenigen Verkehrsteilnehmern, richtig parkiert hatte. Ich fragte dann auch, wer denn mein freundlicher Helfer sei? Die Antwort zeigte dann die politische Macht, es war ein Familienmitglied des Provinzsenators. Ohne seinen Einfluss hätte ich den Amtsmissbrauch in seiner ganzen Stärke gespürt.

In diesem Fall war ich im Recht, nur wenige Tage später zeigte sich der Amtsmissbrauch erneut. Nicht vergessen, es weihnachtet, die Kassen müssen gefüllt werden, Nebeneinnahmen nicht auszuschließen. An mehreren Stellen im Ort kontrollierte man die Zweiradfahrer. Worum es ging, das war mir schon bewusst geworden als ich in den Ort fuhr. Nahezu 95 % aller Mopedfahrer hatte den Helm aufgesetzt! Die Erklärung dafür fand man in vielen Straßen: da standen die Agenten der Digisett (ehemals AMET), luden Zweiräder auf von den Fahrern, die keinen Helm aufgesetzt hatten.

An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass die Beschlagnahmung von Fahrzeugen wegen einfacher Delikte illegal ist und das Oberste Verwaltungsgericht sogar urteilte, dass man bei unberechtigter Beschlagnahmung dem Opfer eine Entschädigung von 50.000 RD$ zahlen muss (pro Tag der Beschlagnahmung!). Gesetze und die Dominikanische Republik, das ist ein eigenes Kapitel. Niemand hält sich daran, weder das Volk, noch die Gesetzgeber. Also werden Zweiräder einfach aufgeladen. Dabei könnte ja der Fahrer seinen Helm holen, oder einen kaufen. Seine Fahrt fortsetzen und seine Strafe zahlen. Nein, das wäre Gesetzeskonform. Wer ohne Helm fährt, der geht zu Fuß weiter.

Während ich dann in einer Cafeteria saßund einen Cappuccino genoss, beobachtet man diese Verkehrskontrollen. Nicht lange, da wurde man Zeuge der Korruption, der Machenschaften und dem magischen Auswirkungen von Beziehungen. Der Ungerechtigkeit seitens der Polizisten. Ein Motorradfahrer wird gestoppt, er fährt, wie einige andere auch, ohne Helm. Während andere zu Fuß weitergingen und ihr Moped aufgeladen wurde. griff dieser Mann zum Handy. Dann gab er das Handy an den Polizisten weiter, kurzer Wortwechsel und schon hieß es für den „ohne Helm Fahrer“: Gute Fahrt. Natürlich ohne Helm. Solche Erlebnisse erklären, warum die Polizei NIE, auch nicht bei mehr Lohn, bei der Bevölkerung ein gutes Ansehen bekommen wird. Zugegeben, nicht jeder Polizist ist korrupt, missbraucht seine Macht. Diese ehrlichen Uniformträger sind allerdings selten, man könnte auch sagen: ihr Bestand ist vom Aussterben bedroht.