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Die Geschichte von Pepe und Juanita, zwei Manatis

  • Kategorie: Tiere

Pepe und Juanita - zwei gerettete junge SeekueheDie „Unterwasserkuh“ - ein seltsames Wesen das in kein Raster zu passen scheint.
In der Dominikanischen Republik, wo es nur noch sehr wenige Tiere gibt, nennt man die Seekuh vor allem Karibik- oder Nagel-Manati oder auch Sirena (Trichechus manatus). Wobei es sich um eine Seekuhart aus der Familie der Rundschwanzseekühe (Trichechidae) handelt.


Mehr über diese Wesen können Sie in unserem Artikel Manati nachlesen.

Bei der Geschichte von Pepe und Juanita handelt es sich um die Geschichte von zwei dieser seltenen und seltsam anmutenden Tieren, welche im Jahr 2012 begann.

Durch Harpunen schwer verletzt - die Seekuehe Pepe und JuanitaDie zwei Manatis waren Jungtiere als man sie 2012 ins Nationale Aquarium von Santo Domingo brachte. Schwer verletzt durch Harpunen von Fischern und es sah alles so aus, als wären sie nur zum sterben dahin gebracht worden.

Juanita, das weibliche Tier traf als erstes im Juli ein. Sie wurde schwer verletzt in Bayahibe gerettet und überfuhrt. Im November fand man Pepe in Haina. Als man sie fand waren sie in etwa 3 Monate alt und wogen knapp 70 libras, also knapp 32 Kilogramm. Niemand glaubte wirklich daran, dass sich diese Tiere noch erholen würden und doch begann man alles daran zu setzen, dass die zwei Manatis überleben.

Die Seehkuehe wurden in ein Becken gebracht, das man für die Rettung und Rehabilitation von Meerestieren einsetzte. Biologen, Tierärzte und Freiwillige behandelten von Anfang an die Tiere als wären sie Patienten auf einer Intensivstation.

Rund 15 Wunden stellte man bei Juanita fest, bei Pepe zählte man nicht mehr, so sehr war er mit Wunden uebersaet. Wie grausam da die Fischer gegen die geschützten Tiere vorgegangen sind, ist ein anderes Thema. Allein die Säuberung der Wunden nahm viele Tage in Anspruch. Die Tiere mussten immer wieder gereinigt werden, um den Sand und andere Fremdkörper aus den Wunden zu bekommen.

Juana Calderon Direktorin des Nationalen AquariumsBeim Anblick der schwer verletzten Tiere kam natürlich die Frage auf, rentiert hier ein solcher Einsatz überhaupt, kann man die enormen Kosten an Lebensmitteln, Medizin und Anpassung der Infrastruktur rechtfertigen?

Die Antwort fand die Leitung vom Nationalen Aquarium schnell, die westindische Seekuh (Trichechus manatus), ein gebürtiger karibischen Meerespflanzenfresser, die normalerweise in  Flussmündungen und Küsten, im flachen Wasser wohnt, ist vom Aussterben bedroht. Die Bevölkerung bei der Insel Hispaniola wird auf weniger als 500 Exemplare geschätzt. Kann man  zwei Jungtiere retten, so ist dies für die Arterhaltung und den Fortbestand hier von hoher Wichtigkeit.  

Der Entschluss war gefasst und man setzte alles daran,  die Tiere zu retten und wieder aufzubauen.
Ein enormer Aufwand der 2 ½ Jahre dauern sollte. Nur der unglaubliche Einsatz von Ärzten, Helfern und vielen Freiwilligen ermöglichte dies. Doch die Tiere wurden gesund.

Mehr noch, man tauschte mit internationalen Experten Erfahrungswerte aus, beobachtete selbst sehr genau und konnte interessante Beobachtungen austauschen.

Das Team des Nationalen Aquariums im EInsatz fuer Pepe und Juanita

Allein der Fuetterungsprozess war für das Team eine Tortur.

Alle drei Stunden mussten die Tiere gefüttert werden. Anfänglich musste man die Tiere mit der Flasche stillen, da sie erst mit rund 1 ½ Jahren ganz entwöhnt sind. Die Nahrung wurde immer mehr ergänzt durch Seegras, Salat, Obst und Gemüse. Dies aber alles in rauen Mengen. Die Nahrung wird in großen Mengen verschlungen, bis zu einem Viertel des Körpergewichts, welches bis knapp 700 Kilo erreichen kann. Das heißt Schwerarbeit für das Team.

Fuetterung per FlascheNach der Ankunft dieser beiden Jungtiere, erfuhr man von weiteren 10 Seekühen, welche von Fischern getötet wurden. Einige davon ließ man in einem Labor untersuchen um die Nahrung besser studieren zu können. Eine Nahrung die im Wachstum über 200 Kilogramm betrug und jeden Tag 12 Tausend Pesos kostete.

Mit einem speziellen Rohrsystem ließ man auf den Grund des Beckens jeweils noch 14 Kilogramm  Seegras, Thalassia syringodium, verteilt, damit die Tiere lernen nach Nahrung zu tauchen und diese selber zu suchen. Dieses Gras ist für die Darmflora der Tiere sehr wichtig und die Aufnahme ,musste geschult werden, wollte man die Tiere wieder in Freiheit entlassen.

Immer wieder wurden Tests durchgeführt um feststellen zu können, ob die Nahrung in Ordnung ist und keine Mängel entstehen. Bald mussten die Tiere in ein wesentlich groesseres Becken verlagert werden, wo es schwieriger wurde sie zu beobachten. Doch im Nationalen Aquarium war man sich bewusst, dass diese Tiere eigentlich noch viel mehr Bewegungsfreiheit haben müssten. Man kann diese Tiere nicht in Becken halten und so versuchte man das möglichste um das Beste für die Tiere zu realisieren.

Den Besuchern vom Nationalen Aquarium wurde erklärt, dass diese Tiere nicht für die Besichtigung gehalten werden und man führte Buch, wann und wer Zugang zu den Tieren hatte.

Dr. Francisco de La RosaNur das Team vom Nationalen Aquarium kann zurecht stolz sein auf diese herausragende Leistung in über 30 Monaten wo man sich um diese zwei Tiere kümmerte. Man sammelte viel Erfahrung und dies bereits in dem schwierigen Bereich wenn die Manatis noch gestillt werden müssen.

Da man alles fein säuberlich protokollierte, ist man in Zukunft auch gewappnet für allfällige weitere Rettungsaktionen, wie hier bei Juanita und Pepe. Die Dokumentation ist einzigartig und hilft diesen Tieren in Zukunft besser helfen zu können. Mindestnahrungswerte, notwendige Bluttests und vieles mehr wurde genau aufgelistet. Man werde dies nun so bald wie möglich auch publizieren um anderen Stationen auf der Erde diese Informationen zugänglich zu machen.

Man ist überzeugt, dass die Geschichte von Pepe und Juanita vielen Manatis das Leben in Zukunft retten wird. Und man freut sich über das internationale Lob für diesen Einsatz, wo man bewundert, dass diese Tiere gerettet werden konnten und so schnell gediehen sind. Damit hatte niemand gerechnet. Man sei dadurch ermutigt worden, mehr dazu beizutragen, dass der Bestand der Manatis sich im Land erhöhe.

Pepe und Juanita werden nun auf ihre Freilassung vorbereitetAls nächstes wird man nun daran gehen, die Tiere auf ihre Freilassung in die freie Wildbahn vorzubereiten. Man rechne das dies ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen wird. Denn man habe eine große Verantwortung. Die Tiere müssen lernen sich selber zu versorgen und sich zu schützen. Man müsse ihnen beibringen was ein Geräusch von Motorbooten bedeute und das Menschen nicht zu ihrem Umfeld gehören.

Es wird für dieses Team aber auch wieder ein großer Lernprozess sein. Unterstützung sei bereits seitens Mexiko, Puerto Rico und Costa Rica zugesichert worden, welche Erfahrungswerte haben. Danach suche man hier geeignete Orte und müsse dies mit verschiedenen Stellen koordinieren.

Das Team wünscht sich, dass ihnen auch dies gelingt, auch wenn man Angst hat die Tiere auszusetzen und, da sie Menschen nicht als Feinde ansehen, damit ins Verderben zu führen. Dies wäre das schrecklichste das passieren könnte und wie man die Tiere gefunden hat, zeigt wie groß diese Gefahr ist.