Menu

Sonia Pierre´s Tochter tritt in Ihre Fußstapfen

Solange Manuela Dandre PieSonia Pierre – laut Dokumenten auch Solain Pie, war eine unglaublich couragierte Aktivistin und kämpfte bis zu Ihrer letzten Lebensstunde für die Rechte der Menschen aus Haiti in der Dominikanischen Republik. Am 4. Dezember 2011 starb diese großartige Frau ( Artikel Sonia Pierre ) und nur wenige wussten das Sonia auch Kinder hatte. Kinder wie Ihre Tochter Solange Manuela Dandre Pie welche Ihr nicht nur körperlich unglaublich ähnlich sieht, sondern das Erbe Ihrer Mutter antritt, in dem Sie sich weiter für die Rechte der haitianischen Einwanderer in der Dominikanischen Republik einsetzt und gegen den „Antihaitianismo“ angeht.

Solange Manuela Dandre Pie, welche Ihre Erfahrungen in der von Ihrer Mutter gegründeten Organisation MUDHA und wohl nicht zuletzt im Leben der Mutter selbst sammeln konnte, möchte weiterhin für die Rechte der haitianischen Einwanderer in der Dominikanischen Republik kämpfen. Ein Kampf welcher nach wie vor sehr wichtig ist, bei Ihrer Mutter gar zu lebensgefährlichen Drohungen führte und helfen kann, dass dieser Zwiespalt unter denen so viele Menschen immer noch leiden müssen, vielleicht eines Tages ein Ende finden wird.

Solange Manuela Dandre Pie wurde von dem engagierten Reporter Javier Valdivia der dominikanischen Zeitschrift Listin Diario interviewt : Auf die Frage, woher diese Haltung mit Abneigung gegenüber Menschen in Haiti den entspringe, antwortete sie als erstes: „ Ich möchte vorweg nehmen – nicht alle Menschen in der Dominikanischen Republik sind gegen Haitianer und haitianische Einwanderer. Viele wissen nicht einmal warum sie eine solche Haltung haben und ich denke diese Haltung wird auch gesteuert von gewissen Kreisen welche diesen Rassismus dann weiter nähren. Nur eine offene Haltung gegen Menschen aus Haiti wird kaum je vertreten ist aber selbst in der Politik leider spürbar und auch im ganzen Alltag nach wie vor verwurzelt.“

Was wünscht sich Solange Manuela Dandre Pie in der Dominikanischen Republik:

    • Dominiakanische Republik - HaitiRespekt gegenüber den Namen, der Herkunft und Staatsangehörigkeit der haitianischen Migranten und Ihrer Nachkommen welche hier geboren wurden und teilweise schon 10, 15 oder 20 Jahre hier leben. Man soll Ihre Rechte respektieren und auch einhalten.
    • Ueberdenkung der diskriminierenden Politik in der Dominikanischen Republik gegenüber der Haitianischen Bevölkerung
    • Die Respektierung unserer ( Anmerkung der Redaktion: eigentlich gemeinsamen ! ) afrikanischen Herkunft und die freie und ungehinderte Förderung unserer Bräuche und Kultur.
    • Chancengleichheit für alle Menschen in diesem Land, ob sie nun aus Haiti oder der Dominikanischen Republik selbst stammen.

Wie ist dies erreichbar, was wäre laut Ihrer Meinung der erste Schritt der getan werden müsste, fragte Javier Valdivia die Aktivistin weiter:

„Man muss unverzüglich die Haltung, die Gesetze, Beschlüsse und Dokumente ändern, welche die Rechte der Menschen aus Haiti und die Menschen selbst diskriminieren. Jeder Mensch solle Anrecht auf Dokumente, gerechte und gleichgestellte Behandlung haben, auch im Alltag.“

Denken Sie das Haiti auch eine Mitschuld trägt an dieser Situation ?

„Ja mit Sicherheit. Das Fehlen von jeglichem Schutz und Unterstützung durch die haitianische Regierung begünstigt diesen unerfreulichen Umstand. Die haitianischen Behörden überlassen die Auswanderer und damit Menschen aus Ihrem eigenen Land einfach Ihrem Schicksal.

Nicht aber wenn es um die Kinder geht, welche in der Dominikanischen Republik geboren werden, da wäre vollumfänglich dieses Land verantwortlich. Hier müssten ohne wenn und aber, wie es in diesem Land Gesetz ist, den Kindern Dokumente ausgestellt werden und diese registriert werden. Man tut es aber nicht. Hier steht der Dominikanische Staat in der Verantwortung.

Meine Mutter war Dominikanerin mit Haitianischer Abstammung – so sieht es eigentlich das Gesetz und die Verfassung des Landes hier vor – ich selbst bin die Tochter und damit Tochter von Dominikanischen Bürgern – rechtmäßig gesehen – nur für viele sind wir das nicht und die Papiere werden nicht entsprechend ausgestellt. Es nützt nicht viel wenn etwas in der Verfassung des Landes steht sich aber selbst die Behörden bewusst nicht daran halten“

Denken Sie das dies auch so sein kann, weil Haiti in der Entwicklung noch um vieles hinterher ist ?

„Ich denke nicht so. Ich glaube das Menschen aus Haiti hier viel geholfen haben aufzubauen, viel der Entwicklung hier wurde mit haitianischen Einwanderern erst ermöglicht.

(Anmerkung der Redaktion: Die meisten Häuser, Strassen werden von haitianischen Arbeitern errichtet, auf den Plantagen und allen Arbeiten welche Schwerstarbeit wie Zuckerrohrplantagen etc. bedeutet, sieht man sozusagen nur haitianische Arbeiter )

Doch wir sollten umdenken, wir sind zwei Länder auf einer Insel, wir sind Nachbarn und zusammen können wir bedeutend mehr erreichen als jeder für sich oder gar gegeneinander. Wir können voneinander lernen, einander unterstützen und eines ist sicher, keines der beiden Länder wird sich je wirklich entwickeln, tut es das Nachbarland auf der Insel nicht auch – es gibt nur den gemeinsamen Weg.“

Ihre Eltern waren haitianischer Herkunft nicht war, wo wurden sie geboren, welche Sprachen sprechen sie und mit welchem Land identifizieren Sie sich am meisten?

Dominkanische Republik Wappen„Ja ich habe haitianische Herkunft, ich spreche spanisch und kreol. Und ich achte beide Kulturen und denke das man damit reicher wird, weil ich beide Kulturen schätze, respektiere und von beiden Ländern die Bräuche kenne und respektiere. Ich stamme wohl aus Haiti, doch die Dominikanische Republik ist meine Zuflucht, meine Heimat, mein Zuhause und bin ich ausser Landes dann verbindet mich die Landeshymne und die Fahne zur Dominikanischen Republik an meine Heimat.

Ich habe auch zu wenig Erfahrungen in Haiti, ausser meiner vielen Reisen dorthin aus Solidarität, da diese Menschen Hilfe brauchen um wieder aufstehen zu können.“

Was bedeutet es für Sie die Tochter einer solch bekannten, geschätzten aber auch fordernden Mutter zu sein ?

Die Tochter von Sonia Pierre zu sein, bedeutet für mich Engagement, Kampf, Hingabe und Demut nicht nur für mich, sondern für meine Geschwister und Enkelkinder. Ich habe das Leben und den „Kampf“ meiner Mutter miterlebt und es war oft sehr frustrierend und hart. Immer aber war es lehrreich, es war erfüllend und vermittelte mir vieles. Sie war eine Verteidigerin der Menschenrechte und wir erlebten viele Situationen welche mich sicher auch prägten.

Sonia Pierre Meine Mutter hat viel getan für die Rechte der Menschen, hat für die Dominikanische Republik und die Einhaltung der Rechte hier gekämpft, auch wenn es viele nicht so sahen. Sie hat sich weit über die Grenzen hinaus für Menschlichkeit und die Rechte aller Menschen eingesetzt, und sie hat Leute in diese Richtung beeinflussen können, was mich im Gedanken an meine Mutter mit Stolz erfüllt."

Haitianische Einwanderer werden oft als unverschämt beschrieben welche auch nur Kreole sprechen. Wie denken Sie darüber ?

"Vorweg, es fehlt beinahe gänzlich an wirklichen Migrationsprojekten und doch erlebe ich, dass die meisten Einwanderer in kürzester Zeit sich der spanischen Sprache mächtig sind. Damit zeigen die Einwanderer aus Haiti sehr deutlich das sie sich integrieren möchten und dies so gut es geht auch tun. Nur unterstützt werden sie dabei in keiner Weise. Ich glaube das auch in 20 oder 30 Jahren Menschen aus Haiti hier mithelfen können an der Entwicklung und dem Aufbau und das wenn die Dominikanische Republik es umsetzt, auf einer sehr freundschaftlichen Basis gelingen könnte."

Anmerkung der Redaktion:

Solange Manuela Dandre Pie Dandre ist Mitglied und Gründer von African Descent Youth Network (Red Jad), sie studierte Jura an der Autonomen Universität von Santo Domingo (UASD). Sie ist und war in nationalen und internationalen Gremien vertreten, welche die Thematik haben, afrikanische Herkunft in der Dominikanischen Republik.

Seit frühster Kindheit erlebte sie mit ihrer Mutter, der prominenten Menschenrechtsaktivistin Solain Pie (Sonia Pierre), die Aktionen für Menschenrechte und das Engagement für Minderheiten. Sie unterstützt derzeit die Arbeit der Jugendarbeit in den Gemeinden, in Verbindung mit der Organisation Dominikanische -Haitianischen Frauen (Mudha). Von der Mutter zur Tochter übertragen: Die Hoffnung für viele Menschen auf mehr Gerechtigkeit und mehr Freundschaft, Respekt und Akzeptanz der beiden Nachbarländer und Ihrer Bevölkerung.

Unser Artikel Sonia Pierre

Wikipedia Sonia Pierre

Sonia Pierre unter Bedrohung