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Haiti: Unterricht in Creole - eine Dorfschule startet eine nationale Bewegung

Matenwa Gemeindeschule auf Lagonave unterrichtet in CreolFrandy Calixte ist ein 11-jähriger Junge, der in einem kleinen Dorf auf der dürregefährdeten Insel Lagonav (Île de la Gonâve) in Haiti lebt. Vor seinem Haus sitzend, zusammen mit seiner Mutter und der Lehrerin, sagt erzählt er, dass er Krankenschwester werden will, wenn er groß ist, aber seine Mutter korrigiert ihn. "Doktor", sagt sie, und er ändert seine Antwort.


Fast jeder hier ist ein Kleinbauer; Hochschulbildung ist praktisch unbekannt. Aber Calixte stellt sich gegen den Trend, indem er in eine andere Art von Schule geht: Die Matenwa Gemeindeschule, nur den steinigen Weg hinunter von Calixte´s Haus.

Matenwa stellt sich ebenfalls gegen die Normen der haitianischen Bildung. Zu Beginn einer Versammlung der gesamten Schule, stehen die Schüler auf und teilen, was gut und schlecht ist - eine Lektion, was sie am Verhalten der anderen Schüler oder auch der Lehrer mögen oder auch nicht mögen. In der Klasse sitzen die Schüler, nach der Schulphilosophie, dass Kinder gesehen, gehört und mit Respekt behandelt sollten, im Kreis.

Creolunterricht in der Schule von Frandy Calixte auf der Insel LagonaveUnd es gibt einen weiteren wesentlichen Teil der Schulmethode der anders ist, sagt der Mitarbeiter: Unterricht in der Muttersprache der Schüler, Kreolisch anstatt Französisch.

Nur schätzungsweise fünf Prozent der Haitianer sprechen (und schreiben) fließend Französisch, aber es ist immer noch die Sprache der von Regierung finanzierten Lehrbücher. Als sie in der Schule war, hätte sie nie wirklich Französisch gelernt, sagt Calixte´s Mutter, die sich Madame Frantz Calixte nennt. Auf die Frage, wie sie sie Schule geschafft hätte, lacht sie. Sie hätte ihre Prüfungen nie wirklich bestanden, sagt sie. Aber ihrer Söhne? Sie würden besser lernen als sie, sagt sie.

Abner Sauveur, der in dem Dorf Matenwa aufwuchs, wurde ebenfalls gänzlich in Französisch unterrichtet, obwohl er nicht in der Lage war, alles zu verstehen. Wenn die Lehrer frustriert waren wegen der Sprachbarriere, sagt er, dann schlugen sie um sich - wortwörtlich - auch ihre Schüler. Die Art, wie man ihn in der Schule geschlagen hätte, hätte ihm bewusst gemacht, dass das System schlecht war, sagt er. So könnten die Menschen nicht wirklich lernen.

Sauveur hat die Schule nie abgeschlossen. Aber im Jahr 1996, gründeten er und ein US-amerikanischer Lehrer die Matenwa Gemeindeschule, um den Menschen "Bildung zu bieten, die es ihnen erlaubt nachzudenken und ihre Ideen zu teilen", sagt er, Bildung, die sie besser lernen lässt." Die Verwendung von Creole war eine Notwendigkeit.

Schulbuecher selbst gemacht in Creole - Franzoesisch und EnglischMatenwa verwendet Creole in ihrem gesamten Unterricht und den Lehrbüchern bis zur dritten Klasse, wenn Französisch als zweite Sprache eingeführt wird. Danach sind Lehrbücher für Fächer wie Geographie und Geschichte in Französisch, einfach deshalb, weil es solche Bücher immer noch nicht in Creole gibt. Die Matenwa Mitgründer hoffen aber, dass es eines Tages alle Bücher in Französisch und Kreolisch geben wird. Für frühere Schulstufen sammelt die Verwaltung Geld, um Bücher in Creole zu kaufen und die Schüler machen ihre eigenen.

Viele Eltern aber glauben immer noch, dass Französisch die Sprache der Bildung ist, auch in der ersten Schulstufen. Seine Rechtschreibung und Grammatik sind etablierter als Kreolisch, und es besteht die Überzeugung, dass je früher die Kinder mit Französisch in Kontakt kommen, desto besser werden sie - auch wenn sie es zuerst nicht verstehen.

Der Start der Matenwa-Schule sei sehr schwierig gewesen, berichtet Sauveur. Es gab Eltern, die ihre Schüler aus der Schule genommen hätten, weil in Creole unterrichtet wurde. Aber so sagt er, die Eltern hätte ihre Kinder schlussendlich doch wieder nach Matenwa geschickt. Jetzt fordern angefangen vom Ministerpräsidenten viele politische Führer mehr Bildung in Creole und einige nennen Matenwa eine Modell-Schule.

Jones Lagrandeur, der Superintendent für die mehr als 200 Schulen auf der Insel Lagonav, war zuerst auch gegen den Creole Unterricht. Natürlich sagt er, auch aufgrund der Art, wie sie selbst aufgewachsen seien. Aber mit der Zeit, begann man es besser zu verstehen. Er sei ein Skeptiker gewesen, aber jetzt sei er ein eingefleischter Fan, so Lagrandeur. Seit dem Start von Matenwa hätte man eine neue Seite in der Geschichte aufgeschlagen.

Die Matenwa Schule bietet Creole-Unterricht auch fuer die LehrerMatenwa biete auch eine Ausbildung in der "Muttersprache" für Pädagogen im ganzen Land an, arbeite aber vor allemmit benachbarten Schulen. Lagrandeur behauptet, das dies auch der Grund sei, warum die nationalen Prüfungsergebnisse auf der Insel, in diesem Jahr die besten jemals dagewesenen waren.

Michel DeGraff, ein haitianischer Linguist, der am MIT arbeitet, sagt dass Tests bereits zeigen würden, dass die Creole Lesekompetenz der Matenwa Schüler fast drei Mal höher sei als die durchschnittliche Punktzahl an 84 Festlandschulen , die von der Weltbank geprüft wurden. Laut DeGraff könne Französisch-basierte Ausbildung nur durch das Hören der Menschen im Unterricht, nicht funktionieren. Es sei diese Art des Mitsingens des Tons, in dem sie den Satz oft in der Mitte abbrechen würden, sagt er, was bedeute, dass sie nicht verstehen würden, was sie lernen. Es sei die gleiche Art Lernens, die er als Kind hatte, als Creole in seinen Schulen verschmäht wurde.

Jetzt, als Mitglied der neuen Creol-Akademie, ist DeGraff mit der Förderung der Sprache in allen Bereichen beauftragt. Sein Hauptaugenmerk aber liegt bei der Bildung, einschließlich der Werkzeuge, mit denen Lehrer wissenschaftliche Fächer auf Kreolisch unterrichten und der Übersetzung von 21 mathematischen Computerspielen in Creole.

Bei einem Besuch Matenwa an einem Freitag, waren die Erzieher für die muttersprachliche Ausbildung versammelt. Sie bekamen Hinweise und Bücher und sie diskutierten, wie sie zurück gehen würden und selbst mehr Menschen unterrichten würden.

Unterricht in Creole - eine Dorfschule startet eine nationale BewegungAm Anfang seien es nur sie gewesen, die in Creole lehrten, sagt Abner Sauveur, der Mitbegründer der Schule. Jetzt gäbe es 10 Schulen, die jeden Monat zur Ausbildung hierher kommen würden. Angesichts dieser Erfahrung glaube er, dass es in 15, 20, 30 Jahren, wenn er vielleicht schon tot sei, möglich sei, das System in Haiti vollständig zu verändern.

Während der Unterrichtseinheit verteilte Sauveur auch Handbücher, die nichts mit dem, wie man in Creole unterrichtet, zu tun zu haben schienen. Sie handelten vom Beenden der körperlichen Züchtigung, produktiver Kommunikation mit Schülern und dem Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch. Matenwa ist nicht nur eine Modell-Schule wegen des Creol-Unterrichts sondern auch wegen der Aufmerksamkeit, die den Rechten der Kinder gewidmet wird.

Befragt, ob diese Schule nicht einflussreicher wäre, wenn das ganze Unterrichtsgeschehen auf Französisch erfolgen würde, waren sich alle Lehrer einig - dies wäre auf Französisch nie möglich.