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Dominikanische Republik, das mörderische Paradies

schuss1 2Ein Leben in der Dominikanischen Republik, die meisten Personen, fast ausschließlich Touristen, setzen dies gleich mit einem Leben im Paradies. Die Fans des Landes gründen dann auch gerne Gruppen im nicht mehr wegzudenkenden Facebook. „Leben unter Palmen“, „Leben im Paradies“ oder „Sehnsucht Karibik“ usw. nennen sich diese Gruppen in denen sich meist die Menschen vereinen, die von diesem Land so gar keine Ahnung haben. Sollte unter den Mitgliedern dann ein Resident sein, so ist auch dies mit Vorsicht zu bewerten. Wer hier auf dieser Welle mitschwimmen will, der hat nur $$$ im Sinn. Entweder bietet man sein angebliches Wissen an, in Form von Einwanderungshilfe, Touren (natürlich ohne Guide-Lizenz und Ahnung, dafür mit Kumpel-Image und schön billig / primitiv). Leben und Leben lassen, jeder will Geld verdienen und Qualität ist erst in zweiter Linie gefragt.

Wie ist das Land wirklich - und vor allem: welche Probleme hat diese Bevölkerung? Der Dominikaner ist nämlich außerhalb der Hotelmauern gar nicht so, wie er sich im Hotel präsentiert! Immer lächelnd, immer tanzend, immer „Hola Amigo“! Im wahren Leben plagen ihn Sorgen. Wie kann man der Inflation entgegen wirken? Das Leben wird immer teurer und wer in der Tourismuswelt einen Job hat ist schon privilegiert. Da gibt es auch mal ein Trinkgeld, ein Geschenk. Ein Arbeiter in der Zona Franca freut sich auch darüber dass er einen Job hat, der Lohn weit unter 10.000 RD$, aber man hat eine Krankenversicherung und da arbeitet man dann 6 Tage die Woche.

Wir wollen aber nicht auf die wirtschaftlichen Probleme eingehen, es gibt diesmal ein anderes Thema. Gewalt, Verrohung, menschliche Schwächen. Es geht also um den Menschen, nicht um Politik, Wirtschaft oder Tourismus. Dieses Land gilt als Entwicklungsland und man muss ganz klar feststellen, dass sich hier in den letzten 30 Jahren sehr viel verändert hat. So lange gibt es den Tourismus, eine „präsidentielle Demokratie“, wie immer man das interpretieren möchte. Es kam viel Geld ins Land, die Wirtschaft boomt, den Politikern geht es gut, sie werden, kaum im Amt, auch schnell zum Millionär. Natürlich werden auch die reichen Unternehmer immer reicher.

Und das Volk, die Menschen? An ihnen rauscht diese Entwicklungswelle rapide vorbei. Ja, da gibt es nun in den Baustoffhandlungen ganz tolle Duschkabinen zu kaufen, das Wasser sprenkelt aus allen Richtungen, inklusive Jet-Düsen. Doch was hat das „gemeine Volk“ davon? Nach wie vor, wie vor hundert Jahren, hat man meist nur kaltes Wasser zu Hause. Wenn überhaupt. Man ist froh wenn es irgendwo aus einer Leitung in der Wand kommt, viele holen noch das Wasser aus einem Bach oder Fluss, haben nur eine „Eimer-Dusche“, irgendwo draußen, da wo auch die Latrine steht. Derlei Beispiele gibt es hundertfach im typisch dominikanischen Alltag.

All das sieht ein Tourist nicht. Die Armut, in der rund 42 % des Volkes leben! Die Sorgen, die täglich auf den Schultern der Bürger lasten. Es ist eine lobenswerte EInstellung der Einheimischen, dass sie trotz allen Kummers eine gesunde Protion an Lebensfreude haben. Der Hang, jede Kleinigkeit zu feiern ist aber auch eine Verdrängung des Alltags.

Und wie soll man sich menschlich in diesem Land weiter entwickeln wenn man nur wenige Jahre der Entwicklung hatte? Bildung? Woher soll sie kommen? Bestenfalls von schlecht geschulten Lehrern. Kinder lernen in der Schule was zum Thema Umwelt und Naturschutz, Kinder lernen aber auch mit den Augen, von den Erwachsenen. Und die leben den Kindern ein anderes Leben vor. An diesen Erwachsenen ist die Entwicklung vorbeigeflogen.

Damals gab es Obst vom Baum, die Schale flog in den Garten, kompostierte sich. Heute gibt es Lebensmittel im Colmado / Supermarkt, mit Plastik. Diese Verpackung fliegt, wie damals die Schale, in den Garten, auf die Straße, bleibt am Strand liegen. Das Land verkommt im Abfall.

Gehen wir noch einen kleinen Schritt zurück, gemessen an unserer Landesgeschichte in der Dominikanischen Republik ist es jedoch nahezu die ganze Geschichte des Landes. Vor rund 500 Jahren lebten hier Wilde. Auch wenn die Tainos friedfertig waren, so gab es klare Regeln in ihren Stämmen. Wer gegen diese Regeln verstoßen hatte, dem machte man einen kurzen Prozess. Zum Beispiel bei einem Seitensprung. Und nun reisen wir wieder in die Jetzt-Zeit. Viel hat sich seither nicht getan. Der Mann war und ist ein Macho. Sein Ego zu kränken kann, wie damals zu Stammes-Zeiten, mit dem Tod enden. Da hat sich menschlich nicht viel entwickelt!

Böse Worte? Nein, eher sind es böse Männer, denn durch ihre Hände oder Waffen kommen im Jahr mehr als 200 Frauen ums Leben. Auch einer Ex wird nicht zugestanden sich mit einem neuen Mann zu verbinden. Falsche Eifersucht, falsche Rollenverteilung, es gibt eine Menge Erklärungen und Gründe warum es bei Mann und Frau hier oft zu einem tödlichen Konflikt kommt.

Der Anlass dieser Gedanken kam durch ein Video, durch ein Verbrechen, welches gerade in San Cristobal stattfand. Der gehörnte Ehemann sieht rot. Seiner Frau und ihrem Liebhaber verpasst er eine Kugel, mitten in den Kopf. Tatort: vor einem Supermarkt, am helllichten Tag. Das Leben im Paradies, unter Palmen, ist eben nicht so viel Wert. Es kann sehr schnell zu Ende sein, denn die Hemmschwelle zur Gewalt liegt noch immer da, wo sie vor 500 Jahren lag.

Das sind Dinge, die ein Tourist nicht sieht, nicht mitbekommt in seiner feinen bunten Touristik-Welt. Wo ist da der lachende und tanzende, ach so gastfreundliche Dominikaner in diesem Mörder gerade gewesen? Auf Urlaub? Nun gut, etwas Entwicklung haben wir hier auch. So gibt es zum Beispiel Internet und Smartphones. Da ist es doch praktisch, wenn man bei solchen Gelegenheiten nicht nur vor Ort ist und eine „Show“ miterlebt. Man kann es auch filmen! Nahe ran, das Objektiv tunkt fast in die Blutlache die man gerade ganz frisch und so herrlich nah vor der Kamera hat. Dann gleich ins Netz.

Es erinnert wieder an die Geschichte. Damals wurde das Opfer hingerichtet, vor den Augen der Dorfbewohner, man tanzte um den Marterpfahl. Heute liegt das Opfer auf der Straße, frisch hingerichtet, und man ist sensationsgierig mitten dabei, auch wenn man am anderen Ende der Welt lebt, danke Facebook.

Vielleicht versteht nun der eine oder andere Tourist einen Residenten, der hier Bedenken äußert und Kritik. Ja, wir leben in einem Paradies und dies ist nicht ironisch gemeint. Wir leben hier auch mit Gefahren und Umständen die einer Hölle gleich kommen. Dieses Inferno muss man sehen und kennen. Es gibt hier nicht nur Sonne, auch Schatten. Die Menschen werden von der Entwicklung überrollt, es bleibt ihnen keine Zeit sich persönlich zu entwickeln. Sich zu bilden und zu lernen sich gegenseitig zu respektieren.

Verschiedene Meinungen auszufechten mit Verstand und Argumenten, satt mit Waffen und roher Gewalt, das beherrscht vor allem die dominikanische Männerwelt nicht. Wir wollen dem Touristen keine Angst machen, er soll jedoch seine Augen öffnen und nicht glauben dass die Hotelwelt die Dominikanische Republik wiederspiegelt.

Wir haben dieses brutale Video eingefügt, es zeigt den Alltag. Mehr als 200 tote Frauen pro Jahr können natürlich nicht mehr klagen.

Vorsicht! Es ist sehr blutig. Anschauen sollten es sich nur die, welche unverbesserlich glauben, dass hier ein Sunshine-Paradies ist bei dem alles glänzt und ach so unbeschwert ist. Und nein, wir klagen keine Menschen an, woher sollen sie es denn besser wissen wenn es ihnen keiner beigebracht hat? Video: ACHTUNG, nicht unter 18 Jahre, nicht für schwache Gemüter. https://www.facebook.com/DauryMusicpaginaoficial/posts/1121400807915663