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Der Gringo und die dominikanische Justiz, Teil 1

Justiztot 2Aus gegebenen Anlässen möchten wir hier eine kleine Serie starten. Es geht um das Leben als Ausländer in der Dominikanischen Republik. Dieses nette Gastgeberland verlangt nicht gerade wenig für eine Aufenthaltsgenehmigung, andererseits bekommt man gleiche Rechte und juristische Sicherheit für Investitionen offeriert. Was dies im Detail bedeutet werden hier einige Fälle zeigen die wir von Zeit zu Zeit schildern und damit einfach nur mal aufzeigen wollen, wie es einem „Gringo“ (Pauschale Bezeichnung der Dominikaner für weiße Einwanderer) hier so ergehen kann. Man will ja nicht rassistisch denken, aber irgendwie sind hier Schwarz und Weiß sehr gleich.

Der schwarze Mann (aus Haiti) wird gerne diskriminiert und ausgebeutet, der weiße Mann (Nordamerikaner und Europäer) hingegen bietet sich auch zur Ausbeutung an. Während der schwarze Mann unter schlechten Bedingungen zu Billigstlöhnen arbeiten muss, darf der weiße Mann kräftig zahlen. Für allerlei „Straftaten“ die man so eigentlich nicht begangen hat.

In allen Fällen sind die Autoren selbst für die Richtigkeit der Angaben verantwortlich. Heute beginnen wir mit einem Residenten aus dem Sektor La Mulata, bei Sosua. (Autor der Redaktion bekannt.)

rindDie tote Kuh...

Mein lieber Mitbewohner entwickelt sich zum Bestseller. 
Am Ostersamstag lief eine freilaufende Kuhherde vor mein Fahrzeug und ich verletzte eines der Tiere wohl tödlich. Ich meldete den Vorfall telefonisch bei der Polizei. 
Am 27.6., also drei Monate nach dem Vorfall, wurde ich abends inhaftiert und kam erst am Montag, den 4. Juli gegen die Zahlung einer Kaution von RD$ 50.000, nebst Verhängung eines Ausreiseverbots und monatlicher Meldepflicht beim Fiskal, auf freien Fuss.
 Meinen Schaden an meinem PKW bekomme ich wohl nicht ersetzt. Derzeit wird von 2 Rechtsanwälten an meiner Verteidigung gefeilt.

Mein Pech besteht darin, dass ich schon mehrfach in Aktionen, teils mit einigen von Ihnen gemeinsam, gegen diesen Kuhbauern vor der Justiz in Erscheinung getreten bin. Wie jeder Unschuldige gehe ich davon aus, freigesprochen zu werden.
Parallel hierzu werden alle Geschütze aufgefahren, die das hiesige Rechtssystem zulässt. 
Es wird gegen den Richter geklagt, der wegen einer toten Kuh eine Arrestverfügung gegen einen "Gringo" herausgibt, genau so gegen den Verursacher, den Bauern, der wegen Morddrohung, Verleumdung und Rufschädigung straf- und zivilrechtlich (immerhin mit 150 Mio Peso) angegangen wird.

Ein möglicher Sieg könnte allerdings als Pyrrhussieg (DEFINITION:  Erfolg, der mit hohem Einsatz, mit Opfern verbunden ist und eher einem Fehlschlag gleichkommt) in meine Familienchronik eingehen, denn wer gegen einen Dominikaner gewinnt, ist oft am Ende tot und ich möchte Sie bitten, dass Sie im Ernstfall meiner Familie etwas beistehen, wenn ich denn aus diesem Grunde verbuddelt werden sollte.

Es ist aber wahrscheinlicher, dass nur die Anwälte gewinnen. Ein angebotener Vergleich, natürlich zu meinem Nachteil, kommt aufgrund der klaren Beweislage, für mich nicht in Frage. Ich soll 5 erschossene und 15 gestohlene Kühe zu je RD$ 48.000 bezahlen und man würde mich nicht weiter behelligen. Nicht nur, dass ich diese Mittel nicht aufbringen kann, wäre die Akzeptanz doch der Freibrief für den Bauern, seine Kühe unbegrenzt in die Mulata zu treiben.

Da es m.E. um eine Angelegenheit geht, die nicht nur mich angeht, vermisse ich eigentlich den Zuspruch vieler, zuvor Gleichgesinnter, die La Mulata als kuhfreie Zone zu erhalten. Der Rechtsstreit wird voraussichtlich RD$ 120.000 kosten und es wäre ein Betrag von weniger als RD$ 500 für jeden Anwohner, damit er in Zukunft seine Ruhe hat. Ich werde in den nächsten Tagen in FB einen Blog eröffnen, um die Schar unserer Anwohner zu informieren. Vielleicht kann ich ja auch etwas damit bewegen.

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Ich gebe mich da aber keinen allzu großen Hoffnungen hin, denn die in der Vergangenheit Geschädigten, weil sie z.B. in der Nacht mit ihrem Fahrzeug, in eine aus dem Gebüsch hervorbrechende Kuh rauschten, waren ja selbst schuld, weil sie zu schnell fuhren. 
Diesen Standpunkt vertreten eben viele, solange, bis sie selbst Betroffener sind.
Fragen Sie einmal denjenigen, der eine Kuh aus dem Pool bergen musste. 
Oder diejenigen, deren liebevoll angebrachte Bepflanzung vor ihrem Häuschen abgefressen wurde.


Selbstverständlich verkauft sich ein Haus oder Grundstück, umgeben von einer Rinderherde viel schlechter als ohne...
Sie werden erleben, wie der größte Kuhfeind plötzlich zum wichtigsten Tierliebhaber der Insel mutiert, sobald es an sein Bestes, sein Geld geht.
Vielleicht sollten all diejenigen, dem Kuhbauern ihre Grundstücke unentgeltlich als Weideland andienen? Ich kann ja einen Genehmigungsvordruck zum Ausdrucken gleich mit liefern.

So zeigen wir unseren Gastgebern wieder einmal, welche schwache und verwundbare Gemeinschaft wir "Gringos" in Wirklichkeit sind. 
So etwas wird Signalwirkung haben und die nächste Schlittenfahrt auf dem Rücken eines anderen wird schon bald beginnen. Hätten wir doch gerade jetzt einmal die Chance, Rückgrat zu zeigen und zu signalisieren, dass wir uns nicht alles gefallen lassen. Sollte sich jemand aus unseren Reihen für das gemeinnützige Wohl mit einsetzen wollen, würde mich das freuen und wir sollten einen aus unserer Mitte als Sprecher und Kriegskassenverwalter auswählen. Nur gemeinsam sind wir stark!

Anmerkung der Redaktion: Ob eine gestellte Kaution erstattet wird ist auch fraglich, das Geld versandet meist in Gerichtskanälen zwischen Anwälten, Staatsanwälten und Richtern. Darum sollte man hier im Lande immer großen Wert auf Beziehungen setzen, der beste Schutz gegen Winkeladvokaten und ihre Rechtsverdreher.

Fotos: Archiv