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Besuch im Krankenhaus St. Damien in Tabarre

  • Kategorie: NPH

Klinik St. Damien Tabarre, HaitiKatharina Hauber / Nach meiner Konferenz plante ich das Kinderkrankenhaus St. Damien der Organisation nuestros pequeños hermanos (nph) in Tabarre zu besuchen, das größte und modernste Kinderkrankenhaus Haitis.

Die Kommunikation und Betreuung im Vorfeld war sehr gut. Avriel Burlot, eine US-amerikanische Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsabteilung von nph kommunizierte mit mir via SMS und Telefon auf Englisch.

 

NPH Haiti 2013 Hospital 41Sie organisierte einen Tag vorher den Transport mit dem Fahrer der Organisation: 25 Dollar hin und zurück sollte es kosten, vom Caribbean Supermarkt in Pétionville, wo ich wohnte, nach Tabarre und zurück.

Avriel und Max, der Fahrer, waren pünktlich und holten mich ab. Wir unterhielten uns und wechselten von Englisch auf Spanisch, da ich das am besten spreche. Am Tag vorher wollte Avriel wissen, was ich ungefähr vorhabe und ob ich Fotos machen will, was aufgrund einzuholender Erlaubnis in der Kürze der Zeit leider nicht möglich sei. Bei der Ankunft in Tabarre fiel mir gleich auf, wie schön das 2006 eröffnete Krankenhaus gestaltet ist.

Das Eingangstor ist im Stil der naiven haitianischen Malerei bemalt, und an vielen Ecken und Wänden finden sich Kunstwerke und Malereien. Jeder Raum hat den Namen einer Frucht, zum Beispiel gibt es einen Mango-Raum.

Im Innenhof ist alles bepflanzt und gepflegt. Insgesamt macht das Krankenhaus einen sehr sauberen und ordentlichen Eindruck, vor allem, wenn ich es mit anderen, mir bekannten öffentlichen Krankenhäusern in Santo Domingo vergleiche. Avriel zeigte mir die gesamte Einrichtung von unten beginnend und erklärte mir, dass das Krankenhaus aufgrund von notwendigen Sparmaßnahmen der Organisation seit Anfang des Jahres drastische Kürzungen der Mittel hinnehmen musste, da St. Damien die größte unterstützte Einrichtung ist.

NPH Haiti 2013 HospitalDaraus resultierte, dass 30% der Programme gekürzt werden mussten, was St. Damien sehr hart traf. Zuerst sah ich die Notfallambulanz von außen. Die Hälfte der Betten in der Notaufnahme musste wegen der gekürzten Mittel aufgegeben werden.

Während des Rundgangs erläuterte mir Avriel die Klinikabläufe: um 7 Uhr morgens beginnt die Messe in der angeschlossenen Kapelle für die Mitarbeiter. Wenn es am Vortag in der Klinik Tote gab, wird deren persönlich gedacht, was Pater Richard Frechette sehr wichtig ist.

Um 7 Uhr öffnet die Klinik. Viele Patienten kommen von weit her und warten stundenlang in einem dafür eingerichteten Wartebereich. In der Klinik, die insgesamt über 150 Betten verfügt, werden Kinder bis 15 Jahre behandelt. Bei der Besichtigung der chirurgischen Abteilung von außen erfuhr ich, dass es schwierig war, ein Chirurgenteam zusammenzustellen. Der kubanische Chirurg erläuterte mir, dass die von ihm behandelten Hauptkrankheiten Leistenbruch, Nabelbruch und Blinddarmentzündung sind.Apotheke St. Damien

Es gibt eine Apotheke innerhalb der Klinik, die die hauptsächlich importierten Medikamente ausgibt. Auch ein eigenes Labor ist vorhanden, wo viele wichtige Tests sofort durchgeführt werden können, sowie eine Röntgenabteilung und ein Zahnarzt. Die Behandlung in der Kli

nik ist nicht von vornherein gratis. Jede Familie soll nach ihren Möglichkeiten einen kleinen Beitrag bezahlen, nur wenn es gar nicht möglich ist, wird kostenlos geholfen.

Auf der Entbindungsstation werden zwischen 100 und 300 Babys im Monat geboren und es gibt einen Operationssaal für Kaiserschnitte und andere notwendige Eingriffe. Für frühgeborene Säuglinge gibt es eine Säuglingsstation mit Brutkästen. Avriel berichtete mir, dass viele haitianische Frauen den letzten Moment abwarten, um zu gebären und dann oft zu spät kämen.

Auch Vorsorgeuntersuchungen werden selten durchgeführt. Viele Kinder Zwischen 100 und 300 Babies im Monat werden in St. Damien geborensterben noch im Mutterleib. Auch diese werden bei der täglichen Messe bedacht und die Toten werden respektvoll behandelt.

Ich bekam die Büros der Mitarbeiter gezeigt. Viele Räume der Klinik stehen leer, teilweise auch mit Betten oder anderen Gegenständen darin, da die nötigen Mittel zum Unterhalt fehlen. Der einzige Raum, den ich betreten durfte, war der Raum der verlassenen Kinder, was emotional sehr bewegend war.

Jedes Kind in der Klinik muss grundsätzlich von einem Elternteil begleitet werden, was meist die Mutter übernimmt. Diese schläft auf einer Isomatte neben dem Bett des Kindes und muss sich außerhalb der Klinik selbst verpflegen.

Die Kinder selbst bekommen eine Art Brei. Nun kommt es vor, dass eine Mutter nicht mehr zurückkommt und ihr Kind seinem Schicksal überlässt. Diese in der Klinik von ihren Eltern zurückgelassenen Kinder und auch außerhalb gefundene Kinder werden auf dieser Station betreut.

Die gesunden Kinder, wie ein kleines Mädchen von ein paar Monaten, daSt.Damiens in seinem Bettchen schlief, finden meist schnell ein Zuhause, das die haitianischen Behörden vermitteln. Fast alle Kinder, die schon lange auf der Station sind, sind jedoch in verschiedener Weise behindert, was es traurigerweise schwer macht, ein Zuh

ause für sie zu finden.

Ein Junge war beispielsweise seit 2 Jahren auf der Station. Diese Kinder haben außer ihrer Behinderung meist keine Krankheiten. Ein älteres Kind weinte ununterbrochen, ohne sich zu beruhigen. Avriel erzählte, dass sie täglich hier ist und mit den Kindern spielt.

Als nächstes besichtigte ich den Raum der mangelernährten Kinder von der Tür aus. Diese Kinder bleiben ungefähr zwei Wochen oder länger in der Klinik, je nach ihrem Zustand. Sie bekommen Medikamente und eine klinikeigene Mischung aus kalorienreicher Milch und Erdnussbutter. Daran schließt sich das Programm Kay-au-Bois an, bei der die Kinder nach der Behandlung über mehrere Wochen lang Medikamente, die kalorienreiche Nahrung und ärztliche Kontrolle erhalten.

Essen für Kinder

Die Krebsstation der Klinik ist die einzige im Land. Dort werden beispielsweise Tumore und Blutkrebs wie Leukämie mit Chemotherapie und Operationen behandelt. Für Bestrahlungen werden die Patienten in die Dominikanische Republik nach Santo Domingo gebracht.

Auf der Infektionsstation werden Kinder mit ansteckenden Krankheiten behandelt. Auch die sterbenden Kinder oder HIV-Infizierte werden hierher verlegt. Das Krankenhaus bietet auch ein spezielles Programm für HIV-infizierte Kinder an. Ich sah ein Kind aus dem nph-Kinderdorf in Kenscoff, dem der Blinddarm entfernt werden musste.

Abgetrennt von allen anderen Räumen befinden sich die Tuberkulose- und Cholerastationen. Diese befanden sich früher in St Luc, einem anderen Krankenhaus, wurden aber im August hierher verlegt. Cholera ist zwar im Grunde einfach zu behandeln, aber die Patienten kommen meist zu spät oder gar nicht, wodurch sich die hohen Sterberaten ergeben. Zwei Methoden werden in der Klinik angewandt: viel Trinken oder Infusionen. Solange die Patienten im Stadium des Erbrechens und des Durchfalls sind, kampieren sie auf Feldbetten auf dem überdachten Gang vor den Zimmern.

Ambulanz Warteraum

Für die Behandlung von Tuberkulose gibt es spezielle Programme. Zum Schluss zeigte mir Avriel die schön gestaltete Kapelle der Klinik. Die Familien der gestorbenen Kinder kommen normalerweise nicht zur Beerdigung, da es zu weit ist oder sie kein Geld haben. Wenn sie jedoch kommen, dann gibt es ein richtiges haitianisches Begräbnis. Avriel berichtete mir, dass es nicht leicht sei, mit dem alltäglichen Tod umzugehen und dies doch manchmal sehr belastend für die Mitarbeit

er ist. Zwischen drei und fünf Babys sterben laut ihren Angaben etwa pro Tag, wobei es momentan wegen der Cholera schlimmer ist.

Ich durfte zwei Fotos von der Außenanlage machen und wurde dann von Avriel und Max wieder nach Pétionville zurückgefahren. Insgesamt war mein Besuch in St. Damien sehr interessant und durch die Schicksale der Kinder bewegend. Die kompetenten Mitarbeiter leisten wirklich großartige Arbeit in einer sauberen, modernen Klinik!

Zu hoffen ist, dass sich die finanzielle Lage wieder verbessert und die alten Kapazitäten und Programme wiederaufgenommen werden können.Kapelle St. Damien

NPH Haiti und ganz besonders das Kinderkrankenhaus sind auf Ihre Hilfe, auf Ihre Spenden angewiesen. Sie können das Krankenhaus direkt über deren Webseite unterstützen

Wenn Sie NPH im allgemeinen unterstützen möchten können Sie das über die Webseite von nph deutschland tun

Auch eine Spende auf das Spendenkonto von NPH Österreich hilft
Spendenkonto Erste Bank: IBAN: AT85 2011 1822 4309 5500, BIC: GIBAATWWXXX

Möchte sie mit konkreten Hilfsgütern wie Lebensmittel, Medizin, Unterrichtsmaterial, Kleidung uvm. helfen besuchen Sie den Online-Spendenshop: www.mygoodshop.org

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Katharinas Reise nach Haiti - erste Folge

Kategorie NPHD

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